Ivo Antognini - Der Komponist hinter incantantis New York Reise


Am Ursprung der grossartigen Chance nach New York zu reisen steht der Tessiner Komponist Ivo Antognini. Er, der soeben den Kompositionsauftrag aus den USA erhalten hatte, wandte sich im Frühling 2015 an unseren Dirigenten Christian Klucker, mit der Bitte, an der Uraufführung seines Auftragsstücks seine Schweizer Heimat zu vertreten.

Ivo Antognini, vom The American Organists Magazine als «wichtige neue Stimme» der internationalen Chorszene bezeichnet, hat mit seinen Chorwerken bereits mehrere Auszeichnungen an nationalen und internationalen Chorwettbewerben gewonnen. Seine Kompositionen werden von Top Chören auf der ganzen Welt aufgeführt. Im Jahr 2012 wurde der Tessiner von der American Choral Directors Association zu den 7th World Choir Games nach Cincinnati, USA eingeladen, wo seine Werke präsentiert wurden und er selber als Juror mitwirkte.
Das Stück «O Magnum Mysterium», welches sich auch in incantantis Repertoire befindet, wurde vom J. W. Pepper Verlag mit dem sogenannten «Editors Choice» ausgezeichnet. Northwest Music bezeichnet die in mehr als 45 Ländern aufgeführte Komposition sogar als «Best of the Best 2013».
Bereits im Vorfeld von incantantis New York Reise feierte Antognini seine New York Première. In Zusammenarbeit mit Distinguished Concerts International New York fand im März 2016 ein Konzert mit seinen Werken im Lincoln Center statt.
Ivo Antognini ist Dozent für Gehörbildung und Klavier am Conservatorio della Svizzera Italiana Lugano. Zusammen mit seiner Frau Patrizia lebt der zweifache Vater in Aranno TI.
 

Ein Chor-Prophet im eigenen Land - Portrait (Bündner Tagblatt)

Wer ist der Tessiner Komponist Ivo Antognini, der das Vokalensemble Incantanti nach New York in die Carnegie Hall einlud? Und wie kam es überhaupt zum Kontakt zwischen Komponist und Chor? Ein Blick zurück.

CHUR/ARANNO In Übersee erfreut er sich deutlich grösserer Bekanntheit als in seiner Schweizer Heimat: Ivo Antognini gehört für das amerikanische Publikum zur ersten Garde der europäischen Chorkomponisten. Dabei hat der Tessiner mit Wohnsitz in Aranno seine Leidenschaft für Chormusik erst spät entdeckt,  nämlich im Jahr 2006. Damals besuchte er ein Konzert des bekannten Tessiner Kinderchores Calicantus, das ihn begeisterte. Von da an schuf er zahlreiche Kompositionen für zwei bis 16 Stimmen. Seine Vokalwerke sind äusserst vielseitig und unterschiedlich anspruchsvoll, was die Musik grundsätzlich einer breiten Klientel zugänglich macht. Die wohl bekanntesten Kompositionen aus Antogninis Feder sind die Stücke «O Filii et Filiae» und «Canticum Novum» sowie seine Version des «O Magnum Mysterium». In einem Interview von April 2015 wird Ivo Antognini etwas salopp als «Schlafanzugkomponist» bezeichnet. Dies, weil der hauptberuflich am Konservatorium Lugano tätige Professor laut eigener Aussage seine Inspiration morgens zwischen 5.30 und 7 Uhr findet – am besten in absoluter Dunkelheit.
Antognini wurde 1963 geboren. 1985 erlangte sein Klavierdiplom am Konservatorium in Luzern. Seine Studien setzte er an der Swiss Jazz School in Bern fort, er komponierte Musik für Fernsehen und Film und veröffentlichte drei Jazzalben.

Sogleich zu Hause gefühlt...
Trotz seines internationalen Erfolgs ist Antogninis Schaffen in seiner Heimat erstaunlich wenig bekannt,
während in Amerika der Name Antognini vielerorts ein Begriff ist und seine Kompositionen tausendfach verkauft werden. Der Komponist bewegt sich mittlerweile auf demselben Parkett wie andere  zeitgenössische Grössen der Chormusik – Morten Lauridsen, Eric Whitacre und John Rutter.
Für den bescheidenen und sehr zugänglichen Komponisten muss Musik einfach schön sein, in den Menschen Emotionen auslösen und für Gänsehaut sorgen. Das Bündner Vokalensemble Incantanti fühlte sich sogleich zu Hause, als es 2013 mit der Auftragskomposition «Brama–Sehnsucht–Brama» zum ersten Mal mit Antogninis Musik in Kontakt kam. Dieser Begegnung hatten die jungen Bündner und ihr Dirigent  Christian Klucker letzten Endes die Einladung nach New York zu verdanken, wo mit «A Prayer For Mother Earth» bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr eine Komposition Antogninis uraufgeführt wurde.
Incantanti versucht, jedem Stück durch den musikalischen Ausdruck eine Gestalt zu verleihen und die Musik zu beseelen. Die Möglichkeit der direkten Zusammenarbeit mit dem Komponisten ist eine grosse Chance. So kann man die Gestaltung im Dialog verfeinern, neue Aspekte entdecken und dabei wertvolle Erfahrungen sammeln – eine Bereicherung für die zukünftige musikalische Arbeit auf beiden Seiten. CR

Weiteres zum «Komponisten im Schlafanzug» im Interview für das International Choral Bulletin:
Komponist im Schlafanzug: Ein Interview mit Ivo Antognini